Im Projekt entwickeln wir eine neue Nutzung für Luzerne
Neben der klassischen Verwendung als Futtermittel wird die Pflanze als Rohstoff für kompostierbare Verpackungen und Anzuchtschalen für Micro Greens eingesetzt. Was bisher vor allem als Tierfutter genutzt wurde, könnte in Zukunft auch im Supermarktregal landen – MICRO GROW – Vom Feld zur Verpackung.
Die Besonderheit
Wir betrachten den gesamten Weg vom landwirtschaftlichen Betrieb bis zum fertigen Produkt – und bringen dafür unterschiedliche Perspektiven zusammen:
- Landwirtschaftlicher Betrieb: Wir bauen Luzerne selbst an, ernten sie und lagern sie als Heu – ursprünglich für die Milchviehfütterung.
- Biohandel / Biomarkt: Als Biohändler sind wir nah am Endkunden, kennen die Anforderungen im Markt und stehen gleichzeitig im Austausch mit Verarbeitern, die nachhaltige Verpackungslösungen suchen.
- Forschungspartner (TU Dresden): Hier liegt das ingenieurtechnische Know-how – insbesondere in der Entwicklung des Formpressverfahrens und der Materialverarbeitung.
Gemeinsam verfolgen wir die zentrale Frage: Wie kann aus einem landwirtschaftlichen Rohstoff ein funktionierendes, marktfähiges Produkt entstehen?

Projektüberblick – Micro Greens – vom Feld zur Verpackung
Im Projekt wurden mehrere Arbeitsschritte parallel entwickelt und getestet:
- Anbau und Ernte von Luzerne unter realen landwirtschaftlichen Bedingungen
- Entwicklung technischer Verfahren zur Aufbereitung des Materials
- Herstellung erster Verpackungs- und Anzuchtschalen
- Durchführung von Anbauversuchen mit Microgreens
- erste Markt- und Akzeptanztests im Handel
Dabei wurde bewusst nicht nur im Labor gearbeitet, sondern unter praxisnahen Bedingungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette.



Fokus: Aufbereitung und Fraktionierung
Der zentrale technische Schritt im Projekt ist die Aufbereitung des Luzerneheus.
Hier entscheidet sich, ob aus einem natürlichen Rohstoff ein technisch nutzbares Material wird. Vereinfacht gesagt: Aus einem Heuballen entstehen zwei völlig unterschiedliche Rohstoffe.
Was passiert bei der Aufbereitung?

Das geerntete und getrocknete Luzerneheu wird mechanisch zerkleinert und in unterschiedliche Fraktionen getrennt. Dabei entstehen zwei Hauptbestandteile:
- feine, blattreiche Fraktion → geeignet für Pellets (Eiweißfuttermittel)
- grobfaserige Fraktion → Grundlage für unsere Verpackungen und Schalen
Warum ist dieser Schritt so entscheidend?
Die Fraktionierung macht aus einer Pflanze gleich zwei Wertströme:
- hochwertiges Eiweißfutter
- technischer Rohstoff für Verpackungen
Damit wird die Luzerne nicht nur genutzt – sondern vollständig verwertet. Gleichzeitig ist dieser Schritt die Schnittstelle zwischen Landwirtschaft und Technik: Er sorgt dafür, dass aus einem heterogenen Naturmaterial ein prozessfähiger Werkstoff entsteht.
MICRO GROW – Vom Feld zur Verpackung: Vom Material zum Produkt
Aus den aufbereiteten Fasern sind im Projekt zwei unterschiedliche Produktwege entstanden:
1. Verpackungsschalen aus Luzerne
Hier steht die technische Nutzung im Vordergrund.
- Nutzung der grobfaserigen Fraktion
- Verarbeitung über ein Formpressverfahren
Ziel: Ersatz für konventionelle Kunststoff- oder Pappeschalen – insbesondere im Lebensmittelbereich
Die Herausforderung liegt dabei vor allem in:
- stabilen Materialeigenschaften
- ausreichender Nassfestigkeit
- gleichbleibender Qualität
Im Projekt wurden hierfür verschiedene Materialrezepturen und Pressparameter getestet und weiterentwickelt.
2. Anzuchtsets für Microgreens
Parallel dazu wurde ein weiteres Produktkonzept entwickelt, das noch näher am Endkunden ansetzt. Es macht Nachhaltigkeit unmittelbar im Alltag erlebbar – vom Samen bis zur Ernte auf der eigenen Fensterbank.
Im Mittelpunkt stehen heimkompostierbare Anzuchtschalen aus Luzerne, kombiniert mit einem passenden Substrat und Saatgut. So entsteht ein einfaches, alltagstaugliches Set für die Kultivierung von Microgreens zuhause.
Neben den technischen Anforderungen, die denen der Verpackungsschalen ähneln, stehen hier weitere Aspekte besonders im Fokus: eine unkomplizierte Anwendung, ein schnelles Erfolgserlebnis und spürbare Nachhaltigkeit im täglichen Gebrauch.
Die Entwicklung erfolgte schrittweise – von ersten Funktionsmustern über verfeinerte Prototypen bis hin zu Demonstratorschalen, die aktuell im Handel getestet werden.


Erkenntnisse aus den bisherigen Arbeiten
Aus den bisherigen Projektarbeiten lassen sich deutliche Erkenntnisse ableiten. Luzerne erweist sich als äußerst geeigneter Rohstoff für biobasierte Materialien, und auch die technische Aufbereitung lässt sich im landwirtschaftlichen Umfeld zuverlässig umsetzen. Besonders vielversprechend ist die Kombination aus Futter- und Materialnutzung, die zusätzliche Wertschöpfungspotenziale eröffnet. Erste Anwendungstests zeigen zudem, dass seitens potenzieller Kund:innen ein spürbares Interesse besteht.
Gleichzeitig wurde klar, dass für eine erfolgreiche Weiterentwicklung noch zentrale Aufgaben vor uns liegen. Materialeigenschaften und Prozessschritte müssen weiter optimiert werden, und insbesondere die Skalierung stellt eine wesentliche Herausforderung dar. Ebenso entscheidend ist ein kontinuierliches Marktfeedback.
MICRO GROW – Vom Feld zur Verpackung: Wie geht es weiter?
Im nächsten Schritt rücken mehrere zentrale Themen in den Fokus. Dazu gehört die Weiterentwicklung der technischen Prozesskette, um die Verarbeitungsschritte noch effizienter und robuster zu gestalten. Parallel dazu wird die Optimierung der Produkte für den Markteinsatz vorangetrieben, sodass sie den Anforderungen unterschiedlicher Anwendungen gerecht werden. Ebenso wichtig ist die Auswertung der laufenden Akzeptanzstudien, die wertvolle Hinweise zur Nutzerperspektive liefern. Ergänzend dazu beginnt die Konzeptionierung einer möglichen Pilotanlage, um den Übergang vom Projektmaßstab in eine praxisnahe Umsetzung vorzubereiten.
Das übergeordnete Ziel besteht darin, ein System zu entwickeln, das nicht nur innerhalb des Projekts funktioniert, sondern darüber hinaus tragfähig ist – für landwirtschaftliche Betriebe, für den Handel und letztlich für nachhaltigere Produkte im Alltag.